Zins-Update
Bauzinsen-Update Juni 2026: EZB erhöht die Leitzinsen – Bauzinsen geben trotzdem leicht nach
Ricardo Tunnissen, Geschäftsführer · §34i GewOVeröffentlicht am 20. August 2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Bauzinsen sind im Juni um rund 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte gesunken – und das, obwohl die EZB am 11. Juni erstmals seit September 2023 die Leitzinsen erhöht hat (+0,25 Prozentpunkte). Der Grund für die Entspannung: Mit dem am 18. Juni vereinbarten Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ist der Ölpreis deutlich gefallen, der Inflationsdruck lässt etwas nach. Für den weiteren Jahresverlauf erwarten die meisten Marktbeobachter eine Seitwärtsbewegung – mit deutlich sinkenden Bauzinsen rechnet kaum jemand. Wer ein Vorhaben plant, sollte es deshalb nicht auf die lange Bank schieben. Die aktuellen Live-Werte und den Verlauf findet ihr direkt unten.
- EZB-Leitzinsen (11. Juni): +0,25 Pp. – erste Erhöhung seit Sept. 2023
- Bauzinsen im Juni: ca. 0,1–0,2 Pp. günstiger
- Iran–USA-Rahmenabkommen (18. Juni): Ölpreis deutlich gefallen
- Tendenz Bauzinsen: Seitwärtsbewegung erwartet
Aktuelle Bauzinsen · live
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Repräsentative Beispielwerte, live aus unserer täglich aktualisierten Datenquelle. Euer persönlicher Zinssatz hängt u.a. von Beleihung, Bonität und Tilgung ab.
Zinsverlauf
Bauzinsen der letzten 6 Monate
Sollzins-Entwicklung der letzten sechs Monate, live aus unserer Datenquelle. Stand: –.
Exklusiv aus unseren Finanzierungsdaten
Zinsbindung von 15 Jahren oder länger
Rund jede vierte der von uns im Juni begleiteten Baufinanzierungen wurde mit einer Sollzinsbindung von 15 Jahren oder länger abgeschlossen. Die Mehrheit entschied sich angesichts der leichten Zinsentspannung für kürzere Bindungen – wer maximale Planungssicherheit sucht, sichert sich das aktuelle Niveau aber weiterhin bewusst langfristig.
Quelle: Baufi Deutschland, interne Auswertung (Juni 2026)
Zins- und Immobilienmarkt im Juni: Bauzinsen geben leicht nach
Baufinanzierungen sind wieder etwas günstiger geworden – eine gute Nachricht für alle, die bauen wollen oder sich mit dem Kauf einer Immobilie beschäftigen. Um rund 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte sind die Bauzinsen in den letzten Wochen im Schnitt gesunken. Damit ist der Aufwärtstrend, der die Konditionen seit dem Frühjahr geprägt hat, vorerst gestoppt.
Das mag auf den ersten Blick überraschen. Denn die EZB hat am 11. Juni genau das getan, was wir im letzten Marktupdate bereits als wahrscheinlich eingeordnet hatten: Sie hat die Leitzinsen erhöht – zum ersten Mal seit September 2023.
EZB erhöht die Leitzinsen – erste Anhebung seit September 2023
Die Euro-Notenbanker haben mit dem Zinsschritt der gestiegenen Inflation Rechnung getragen – einer Folge des Ölpreis-Schocks durch den Iran-Krieg. Die Anhebung fiel mit 0,25 Prozentpunkten allerdings recht moderat aus; alle drei Leitzinsen wurden mit Wirkung zum 17. Juni entsprechend angehoben. Das Zinssignal war von den Märkten erwartet worden und löste daher nur mäßige Reaktionen aus. Ob weitere Zinsschritte nach oben folgen, ließ die EZB zunächst offen – das hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Inflation weiterentwickelt.
Zumindest vom Ölpreis kommt hier Entlastung. Mit dem am 18. Juni vereinbarten Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten haben sich die Chancen auf eine Beendigung des Konflikts deutlich verbessert – der Ölpreis gab unmittelbar spürbar nach. Ein echter Frieden ist das allerdings noch nicht: Wesentliche strittige Punkte sollen in einer 60-tägigen Verhandlungsperiode geklärt werden. Der Ausgang ist offen, ein Rückschlag mit einem Wiederaufflammen des Konflikts bleibt jederzeit möglich.
Entwicklung der Bauzinsen – vorsichtiger Optimismus
Für die Bauzinsen gibt die Entwicklung Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Die Leitzinserhöhung hat bislang kaum Spuren hinterlassen. Das erklärt sich auch daraus, dass Hypothekenfinanzierungen typischerweise langfristig ausgerichtet sind, während Leitzinsänderungen vor allem auf kurzfristige Finanzinstrumente wirken. Bei langlaufenden Finanzierungen ist der Einfluss eher indirekt – hier spielen die Renditen langlaufender Bundesanleihen und der Pfandbriefmarkt die größere Rolle.
Einer fortgesetzten Straffung der Geldpolitik könnten sich die Bauzinsen auf Dauer allerdings nicht entziehen. Genau die ist mit dem Iran-Deal aber unwahrscheinlicher geworden. Von daher ist erst einmal Entspannung angesagt. Mit deutlich sinkenden Bauzinsen rechnen die meisten Marktbeobachter dennoch nicht – erwartet wird eher eine Seitwärtsbewegung. Die tagesaktuellen Werte und den Verlauf der letzten Monate findet ihr oben im Live-Überblick und in der Grafik.
Warten auf günstigere Zinszeiten lohnt nicht
Das Fazit: Aktuell ist ein guter Zeitpunkt, um eine Baufinanzierung anzugehen. Abwarten in der Hoffnung auf (noch) bessere Zinszeiten wird vermutlich nicht belohnt. Umso wichtiger ist es, jetzt eine maßgeschneiderte Finanzierung zu entwickeln und die besten Angebote dafür am Markt zu identifizieren. Was das konkret für eure Rate bedeutet, könnt ihr mit unseren Rechnern selbst durchspielen.
Schnelleres Bauen und niedrigere Baukosten – vorerst Zukunftsmusik
Beim Thema Baukosten sind von der Politik weiterhin keine schnellen Lösungen zu erwarten. Bundesbauministerin Verena Hubertz hat am 19. Juni in Frankfurt einen 13-Punkte-Aktionsplan vorgelegt, der schnelleres Bauen und niedrigere Baukosten möglich machen soll. Teil des Plans ist unter anderem ein neuer „Gebäudetyp E", der durch den Verzicht auf nicht zwingende Komfort- und Ausstattungsstandards die Baukosten um bis zu 10 Prozent senken soll. Bauantragstellung und -bearbeitung sollen künftig durchgängig digitalisiert, die Bauplanung beschleunigt werden. Die Neubauförderung des Bundes soll außerdem in einem zentralen Programm gebündelt werden.
Bei alldem handelt es sich allerdings noch um „Zukunftsmusik": Ein Gesetzentwurf zur Umsetzung existiert bislang nicht und soll erst im Laufe des Jahres folgen. Wirksam werden dürften die Neuregelungen frühestens 2027, die durchgängige Digitalisierung der Bauanträge soll sogar erst 2028 Standard werden.
KfW verlängert Effizienzhaus-Förderung bis Ende 2026
Immerhin: Im Vorgriff auf die geplante Reform haben Bund und KfW die Effizienzhaus-55-Förderung erfreulicherweise verlängert. Ursprünglich sollte sie zum 30. Juni 2026 auslaufen – jetzt läuft sie bis zum 31. Dezember 2026, sofern die bereitgestellten Bundesmittel nicht vorher ausgeschöpft sind. Das Angebot ist in das KfW-Programm „Klimafreundlicher Neubau" integriert und bietet zinsgünstige Darlehen von bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit für klimafreundliches Neubauen. Wichtig: Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn gestellt werden, ein Rechtsanspruch besteht nicht – wer die Voraussetzungen erfüllt, sollte also nicht zu lange warten. Alle Details zu den Programmen findet ihr in unserer Fördermittel-Übersicht.
Wohnraum bleibt knapp – Aufwärtstrend bei Immobilienpreisen
Im vergangenen Jahr wurden dem Statistischen Bundesamt zufolge in Deutschland nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt – gut 45.000 weniger als 2024 und der niedrigste Wert seit 2012. Trotz zuletzt etwas gestiegener Baugenehmigungen erwarten Experten im laufenden Jahr keine Trendwende. Wohnraum ist und bleibt hierzulande knapp. Der Trend nach oben bei den Immobilienpreisen ist entsprechend ungebrochen – ein weiteres Argument, Immobilienvorhaben nicht auf die „lange Bank" zu schieben. Wie immer entscheiden dabei Standort, Lage und Qualität des Objekts.
Der einfache Weg zur besten Baufinanzierung – wir helfen euch
Ob Neubau oder Kauf einer Bestandsimmobilie – eine solide Baufinanzierung, die alle anfallenden Kosten abdeckt und auch Eventualitäten berücksichtigt, ist das A und O bei der Verwirklichung eures Vorhabens. Wenn ihr aktuell oder in naher Zukunft eine Finanzierung plant, meldet euch gern bei uns – in einer kostenlosen Videoberatung gehen wir eure Situation gemeinsam im Detail durch und finden am Bankenmarkt die besten Angebote für euer Vorhaben. Diese Markteinschätzung dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung.
Quellen & Daten
- Europäische Zentralbank: Zinsbeschluss vom 11. Juni 2026 (+0,25 Prozentpunkte, wirksam zum 17. Juni 2026 – erste Erhöhung seit September 2023)
- Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran vom 18. Juni 2026 (60-tägige Verhandlungsperiode vereinbart)
- Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: 13-Punkte-Aktionsplan von Bundesbauministerin Verena Hubertz (vorgestellt am 19. Juni 2026 in Frankfurt)
- KfW: Verlängerung der Effizienzhaus-55-Förderung bis 31. Dezember 2026
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Baufertigstellungen 2025 (206.600 Wohnungen, −18,0 %)
Häufige Fragen
Bauzinsen – kurz erklärt
Wie entstehen die aktuellen Bauzinsen?
Bauzinsen orientieren sich vor allem an der Rendite langlaufender Bundesanleihen und am Pfandbriefmarkt, über die sich Banken refinanzieren. Diese werden durch die Geldpolitik der EZB, die Inflationserwartung und die allgemeine Lage am Kapitalmarkt beeinflusst. Steigen die Renditen, ziehen meist auch die Bauzinsen an – und umgekehrt.
Soll ich jetzt finanzieren oder auf sinkende Zinsen warten?
Das hängt von eurer persönlichen Situation, dem Kaufzeitpunkt und eurer Risikobereitschaft ab und lässt sich nicht pauschal beantworten. Wer ein passendes Objekt gefunden hat, sollte die Entscheidung nicht allein vom Zinsniveau abhängig machen. Eine unverbindliche, individuelle Einschätzung bekommt ihr im persönlichen Beratungsgespräch.
Wie oft aktualisiert Baufi Deutschland die Bauzinsen?
Die hier gezeigten Zinssätze werden live aus unserer täglich aktualisierten Datenquelle geladen. Zusätzlich veröffentlichen wir einmal im Monat dieses Update mit einer redaktionellen Einordnung der Zinsentwicklung.
Welche Sollzinsbindung ist beim aktuellen Zinsniveau sinnvoll?
Längere Sollzinsbindungen von 15 oder 20 Jahren bieten mehr Planungssicherheit, sind aber meist etwas teurer als kürzere Bindungen. Welche Variante zu euch passt, hängt von eurer Lebensplanung, dem Tilgungstempo und eurer Einschätzung zur künftigen Zinsentwicklung ab.
Wie kann ich mir das aktuelle Zinsniveau für später sichern?
Mit einem Forward-Darlehen lässt sich ein Zinssatz bis zu mehrere Jahre im Voraus sichern – etwa für eine Anschlussfinanzierung. Im Gegenzug fällt in der Regel ein kleiner Zinsaufschlag pro Monat Vorlaufzeit an.
Was beeinflusst meinen persönlichen Bauzins?
Neben dem Marktniveau wirken sich vor allem der Beleihungsauslauf (Verhältnis von Darlehen zu Objektwert), eure Bonität, die gewählte Tilgungshöhe, die Sollzinsbindung sowie Art und Lage der Immobilie auf euren individuellen Zinssatz aus.
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Autor
Ricardo Tunnissen
Geschäftsführer Baufi Deutschland GmbH
Ricardo Tunnissen ist Mitgründer und Geschäftsführer von Baufi Deutschland und seit vielen Jahren in der Baufinanzierung tätig. Seine Einschätzungen zur Zinsentwicklung erscheinen u.a. in DER SPIEGEL, Business Insider und Cash.
Erlaubnis als Immobiliardarlehensvermittler nach §34i GewO · Sachkundenachweis vorhanden.
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