Zins-Update
Bauzinsen-Update Mai 2026: Aufwärtstrend hält an – kommt der EZB-Zinsschritt?
Ricardo Tunnissen, Geschäftsführer · §34i GewOVeröffentlicht am 8. Juni 2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Bauzinsen sind im Mai 2026 weiter leicht gestiegen und liegen inzwischen bei allen gängigen Zinsbindungen oberhalb der 4-Prozent-Marke – zehnjährige Bindungen im unteren, längere im höheren 4-Prozent-Bereich (aktuelle Live-Werte und Verlauf unten). Haupttreiber bleibt der durch den Nahost-Konflikt befeuerte Energiepreis: Im Euroraum ist die Inflation im Mai auf 3,2 Prozent geklettert, und die Märkte preisen für die EZB-Sitzung am 11. Juni mit hoher Wahrscheinlichkeit einen ersten Zinsschritt nach oben ein. Damit sprechen aktuell mehr Faktoren für eine Seitwärtsbewegung oder leicht steigende Zinsen als für sinkende – wer ein Vorhaben plant, sollte es eher nicht auf die lange Bank schieben.
- Inflation Euroraum (Mai 2026): 3,2 %
- Nächste EZB-Sitzung: 11. Juni 2026
- Markterwartung: erster Zinsschritt nach oben wahrscheinlich
- Tendenz Bauzinsen: seitwärts bis leicht steigend
Aktuelle Bauzinsen · live
Zinsen nach Sollzinsbindung
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Repräsentative Beispielwerte, live aus unserer täglich aktualisierten Datenquelle. Euer persönlicher Zinssatz hängt u.a. von Beleihung, Bonität und Tilgung ab.
Zinsverlauf
Bauzinsen der letzten 6 Monate
Sollzins-Entwicklung der letzten sechs Monate, live aus unserer Datenquelle. Stand: –.
Exklusiv aus unseren Finanzierungsdaten
Zinsbindung von 15 Jahren oder länger
Rund 6 von 10 der von uns im Mai begleiteten Baufinanzierungen wurden mit einer Sollzinsbindung von 15 Jahren oder länger abgeschlossen. Im aktuell unsicheren Zinsumfeld setzen viele Kundinnen und Kunden bewusst auf langfristige Planungssicherheit – passend zu unserer Einschätzung weiter oben.
Quelle: Baufi Deutschland, interne Auswertung (Mai 2026)
Zins- und Immobilienmarkt im Mai: der Aufwärtstrend hält an
Auch im Mai waren die Konditionen bei Baufinanzierungen stark von der geopolitischen Lage geprägt – der Aufwärtstrend bei den Bauzinsen hat sich fortgesetzt. Zwar gilt seit einigen Wochen eine brüchige Waffenruhe im Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran, und zuletzt gab es wieder Hoffnungszeichen für eine Verhandlungslösung. Bis zu einem echten Frieden ist es aber wohl noch ein Stück Weg. Der Iran setzt seine Kontrolle über die strategisch wichtige Straße von Hormus geschickt als Druckmittel ein – Ende offen.
Inflation steigt weiter – EZB-Zinsschritt im Juni?
In der Konsequenz bleibt das Öl knapp und der Ölpreis hoch. Je länger dieser Zustand andauert, umso nachhaltiger wirkt er sich auf die Wirtschaft aus: Höhere Energiepreise verteuern viele Leistungen, ein allgemeiner Preisanstieg ist die logische Folge. In Deutschland waren die Verbraucherpreise im März um 2,7 Prozent gestiegen, im April dann laut Statistischem Bundesamt um 2,9 Prozent – der höchste Wert seit Januar 2024. Im Mai bildete sich die deutsche Rate zwar leicht auf 2,6 Prozent zurück, weil der Energiepreisschub etwas nachließ; der Preisdruck bleibt damit aber klar erhöht.
Mehr Inflation ist fast immer mit steigenden Zinsen verbunden – zum einen, weil die Finanzmärkte ihre Erwartungen einpreisen, zum anderen, weil die Notenbanken mit höheren Leitzinsen gegensteuern. Für die EZB ist dabei nicht die deutsche, sondern die europaweite Teuerung maßgeblich – und die zeigt nach oben: Im Euroraum kletterte die Inflation laut Eurostat im Mai auf 3,2 Prozent und liegt damit deutlich über dem 2-Prozent-Ziel. Zuletzt hatte die EZB am 30. April die Leitzinsen unverändert gelassen, die siebte Zinspause in Folge. Doch der Handlungsdruck wächst: Vor der Sitzung am 11. Juni 2026 preisen die Märkte mit hoher Wahrscheinlichkeit einen ersten Zinsschritt nach oben ein – nach der langen Senkungs- und Pausenphase wäre das eine Kehrtwende, und womöglich nicht die letzte in diesem Jahr. Die endgültige Entscheidung fällt am 11. Juni.
Bauzinsen bisher nur moderat teurer
Leitzinsänderungen schlagen sich nicht unmittelbar bei den Baufinanzierungskonditionen nieder, ein mittelbarer und längerfristiger Zusammenhang besteht aber schon. Mit sinkenden Bauzinsen ist vor diesem Hintergrund auf kurze Sicht nicht zu rechnen. Die gute Nachricht: Bisher blieb der Zinsanstieg bei Baukrediten moderat, und Expertinnen und Experten rechnen auch für den weiteren Jahresverlauf nicht mit einem sprunghaften Anstieg. Die gängigen Sollzinsbindungen liegen inzwischen durchweg oberhalb der 4-Prozent-Marke – zehnjährige Bindungen im unteren 4-Prozent-Bereich, fünfzehn- und zwanzigjährige spürbar höher. Die genauen tagesaktuellen Werte und den Verlauf der letzten Monate findet ihr oben im Live-Überblick und in der Grafik. Prognosen sind angesichts der unsicheren Gesamtlage allerdings extrem schwierig.
Was heißt das für eure Baufinanzierung?
Daher wiederholen wir an dieser Stelle unseren Rat aus dem letzten Marktupdate: Es spricht viel dafür, ein Finanzierungsvorhaben nicht auf die berühmte „lange Bank" zu schieben – früher ist besser als später. Derzeit gibt es mehr Faktoren, die auf eine Seitwärtsbewegung oder weiter leicht steigende Bauzinsen hindeuten, als Faktoren, die in die andere Richtung zeigen. Was das konkret für eure Rate bedeutet, könnt ihr mit unseren Rechnern selbst durchspielen.
Baukonjunktur im Wechselbad – neues Heizungsgesetz
Die Baukonjunktur in Deutschland hat sich in den ersten Monaten dieses Jahres zunächst positiv entwickelt. Im ersten Quartal 2026 wurden laut Statistischem Bundesamt 63.500 neue Wohnungen genehmigt – 14,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit deutete sich eine Trendwende in der zuvor extrem schlechten Baukonjunktur an. In diesen Zahlen haben sich die Effekte des Iran-Konflikts allerdings noch nicht niedergeschlagen. Das Ifo-Institut rechnet inzwischen wieder mit einer deutlichen Eintrübung und geht für 2026 von nur noch 185.000 Fertigstellungen aus – nochmals ein Minus gegenüber knapp 207.000 im Jahr 2025.
Die Immobilienpreise zeigten sich bislang trotz der Unsicherheiten robust; Preiseinbrüche hat es nicht gegeben. Derzeit tendieren die Preise eher seitwärts, mit einer leichten Tendenz nach oben – wie immer entscheiden Standort, Lage und Qualität des Objekts. Immerhin hat das Bundeskabinett am 13. Mai 2026 das reformierte Heizungsgesetz beschlossen – das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das das bisherige Gebäudeenergiegesetz ablösen soll. Die Pflicht, neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben, entfällt; Eigentümerinnen und Eigentümer bekommen wieder mehr Wahlfreiheit. Erst ab 2029 sollen neu eingebaute Gas- und Ölheizungen über eine schrittweise „Bio-Treppe" zunehmend klimaneutrale Brennstoffe nutzen. Das erleichtert die Entscheidung für den Kauf einer Bestandsimmobilie und verspricht mehr Planungssicherheit. Final ist die Reform aber noch nicht: Bundestag und Bundesrat beraten bis in den Herbst, das Inkrafttreten ist für den 1. November 2026 geplant.
Solide Finanzierung gefragt – wir helfen euch
Gerade in unsicheren Zeiten gilt in besonderem Maße: die Finanzierung auf eine solide Grundlage stellen. Wenn ihr aktuell oder in naher Zukunft eine Finanzierung plant, meldet euch gern bei uns – in einer kostenlosen Videoberatung gehen wir eure Situation gemeinsam im Detail durch und finden am Bankenmarkt die besten Angebote für euer Vorhaben. Diese Markteinschätzung dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung.
Quellen & Daten
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Inflationsrate April 2026 (+2,9 %)
- Eurostat: Inflation im Euroraum, Mai 2026 (+3,2 %) – Schnellschätzung
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Baugenehmigungen 1. Quartal 2026 (63.500 Wohnungen, +14,6 %)
- ifo Institut / Euroconstruct: Prognose Wohnungsfertigstellungen 2026 (185.000)
- Bundesregierung: Kabinettsbeschluss Gebäudemodernisierungsgesetz (13.05.2026)
- Europäische Zentralbank: nächste Zinsentscheidung am 11. Juni 2026
Häufige Fragen
Bauzinsen – kurz erklärt
Wie entstehen die aktuellen Bauzinsen?
Bauzinsen orientieren sich vor allem an der Rendite langlaufender Bundesanleihen und am Pfandbriefmarkt, über die sich Banken refinanzieren. Diese werden durch die Geldpolitik der EZB, die Inflationserwartung und die allgemeine Lage am Kapitalmarkt beeinflusst. Steigen die Renditen, ziehen meist auch die Bauzinsen an – und umgekehrt.
Soll ich jetzt finanzieren oder auf sinkende Zinsen warten?
Das hängt von eurer persönlichen Situation, dem Kaufzeitpunkt und eurer Risikobereitschaft ab und lässt sich nicht pauschal beantworten. Wer ein passendes Objekt gefunden hat, sollte die Entscheidung nicht allein vom Zinsniveau abhängig machen. Eine unverbindliche, individuelle Einschätzung bekommt ihr im persönlichen Beratungsgespräch.
Wie oft aktualisiert Baufi Deutschland die Bauzinsen?
Die hier gezeigten Zinssätze werden live aus unserer täglich aktualisierten Datenquelle geladen. Zusätzlich veröffentlichen wir einmal im Monat dieses Update mit einer redaktionellen Einordnung der Zinsentwicklung.
Welche Sollzinsbindung ist beim aktuellen Zinsniveau sinnvoll?
Längere Sollzinsbindungen von 15 oder 20 Jahren bieten mehr Planungssicherheit, sind aber meist etwas teurer als kürzere Bindungen. Welche Variante zu euch passt, hängt von eurer Lebensplanung, dem Tilgungstempo und eurer Einschätzung zur künftigen Zinsentwicklung ab.
Wie kann ich mir das aktuelle Zinsniveau für später sichern?
Mit einem Forward-Darlehen lässt sich ein Zinssatz bis zu mehrere Jahre im Voraus sichern – etwa für eine Anschlussfinanzierung. Im Gegenzug fällt in der Regel ein kleiner Zinsaufschlag pro Monat Vorlaufzeit an.
Was beeinflusst meinen persönlichen Bauzins?
Neben dem Marktniveau wirken sich vor allem der Beleihungsauslauf (Verhältnis von Darlehen zu Objektwert), eure Bonität, die gewählte Tilgungshöhe, die Sollzinsbindung sowie Art und Lage der Immobilie auf euren individuellen Zinssatz aus.
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Autor
Ricardo Tunnissen
Geschäftsführer Baufi Deutschland GmbH
Ricardo Tunnissen ist Mitgründer und Geschäftsführer von Baufi Deutschland und seit vielen Jahren in der Baufinanzierung tätig. Seine Einschätzungen zur Zinsentwicklung erscheinen u.a. in DER SPIEGEL, Business Insider und Cash.
Erlaubnis als Immobiliardarlehensvermittler nach §34i GewO · Sachkundenachweis vorhanden.