Haus finanzieren mit Eltern : Schenkung, Darlehen, Bürgschaft & wie ihr den Zinssatz senkt
Von Ricardo Tunnissen, Geschäftsführer Baufi Deutschland | §34i GewO · Zertif. VR-Gewerbekundenberater
Eigenkapital-Booster: Wie viel spart Eltern-EK an Zinsen?
4 Wege, wie Eltern beim Hauskauf helfen können
🎁 1. Schenkung (Empfehlung)
Eltern schenken dem Kind Eigenkapital. Die Bank wertet es wie eigenes EK. Kein Rückzahlungsdruck, sofort wirksam, verbessert Beleihungsauslauf und Zinssatz direkt.
- 400.000 € pro Elternteil steuerfrei
- Wird 1:1 als EK gewertet
- Senkt Beleihungsauslauf sofort
- Kein Finanzamt-Risiko wenn korrekt dokumentiert
📝 2. Familiendarlehen
Eltern leihen dem Kind Geld — zu marktüblichen oder günstigeren Zinsen. Bleibt im Familienbesitz und kann flexibel zurückgezahlt werden. Fremdüblichkeitstest beachten.
- Geld bleibt in der Familie
- Zinsen flexibel — auch 0 % möglich
- Schriftlicher Vertrag Pflicht
- Echte Zahlungen müssen stattfinden
🏠 3. Nachrangige Grundschuld
Eltern stellen ihr abbezahltes Haus als Sicherheit für die Bank des Kindes. Kein Geld fließt, aber Bank bekommt Sicherheit — bessere Konditionen für das Kind.
- Kein Liquiditätsverlust der Eltern
- Verbessert BLA des Kindes
- Kosten: 500–1.500 € Notar
- Elternhaus haftet als Sicherheit!
⚠️ 4. Bürgschaft (mit Vorsicht)
Eltern bürgen persönlich für den Kredit des Kindes. Die Bank kann direkt auf das gesamte Elternvermögen zugreifen. Höchstes Risiko für Eltern.
- Eltern haften mit ALLEM: Rente, Haus, Ersparnisse
- Direkter Zugriff der Bank ohne Umwege
- Zeitlich unbegrenzte Haftung
- Besser: nachrangige Grundschuld stattdessen
Schenkung: Freibeträge, Dokumentation & das verborgene Potenzial
💰 Schenkungssteuer-Freibeträge: Das volle Potenzial
Die meisten Familien wissen nicht, wie viel sie tatsächlich steuerfrei übertragen können. Wenn man alle Freibeträge addiert, sind für viele Familien mehr als 1 Million Euro steuerfrei möglich — innerhalb von 10 Jahren.
| Person | Freibetrag pro Kind | Erneuerung | Status |
|---|---|---|---|
| Vater | 400.000 € | alle 10 Jahre | Nutzbar |
| Mutter | 400.000 € | alle 10 Jahre | Nutzbar |
| Opa (väterlicherseits) | 200.000 € | alle 10 Jahre | Nutzbar |
| Oma (väterlicherseits) | 200.000 € | alle 10 Jahre | Nutzbar |
| Opa (mütterlicherseits) | 200.000 € | alle 10 Jahre | Nutzbar |
| Oma (mütterlicherseits) | 200.000 € | alle 10 Jahre | Nutzbar |
| SUMME Eltern | 800.000 € | alle 10 Jahre | Gesamt |
| SUMME inkl. Großeltern | 1.600.000 € | alle 10 Jahre | Maximal |
Bei Verheirateten: Plus Eltern des Ehepartners → bis zu 3,2 Mio. € über 10 Jahre steuerfrei für das Paar.
📋 So wird die Schenkung korrekt dokumentiert
✅ Pflicht-Schritte:
- Schenkungsvertrag aufsetzen (schriftlich, notariell empfohlen)
- Finanzamt informieren innerhalb von 3 Monaten nach Schenkung (ab 1 €, formlos, keine Steuerpflicht bis Freibetrag)
- Banküberweisung mit Betreff „Schenkung Eigenkapital Hauskauf" dokumentieren
- Bank informieren: Herkunftsnachweis vorlegen (GwG-Anforderung)
- Schenkungsvertrag und Kontoauszüge aufbewahren
⚠️ Was Banken beim Eigenkapitalnachweis verlangen
- Kontoauszüge der letzten 3–6 Monate des Kindes
- Nachweis Herkunft bei großen Beträgen (GwG § 10)
- Schenkungsvertrag oder Schenkungsbestätigung
- Manchmal: Nachweis, dass Schenkung nicht zurückgezahlt werden muss
- Tipp: Geld 3+ Monate vor Kreditantrag überweisen
💡 Schenkung im 10-Jahres-Rhythmus nutzen
Wer 2016 bereits 400.000 € erhalten hat, kann 2026 erneut 400.000 € steuerfrei bekommen. Plant ihr einen Hauskauf in einigen Jahren: Frühzeitig Schenkungen beginnen und 10-Jahres-Frist planen!
Das Familiendarlehen: Fremdüblichkeitstest & Mindestanforderungen
Das Familiendarlehen ist eine elegante Möglichkeit: Eltern geben Geld, das Kind zahlt es zurück — mit niedrigen oder keinen Zinsen. Aber das Finanzamt schaut genau hin.
📋 Der Fremdüblichkeitstest: Was das Finanzamt prüft
Das Finanzamt akzeptiert ein Familiendarlehen nur, wenn es so gestaltet ist, als käme es von einer fremden Bank. Folgende Elemente müssen erfüllt sein:
| Anforderung | Pflicht? | Detail |
|---|---|---|
| Schriftlicher Vertrag | 🔴 Pflicht | Mit Datum, Unterschriften, Betrag |
| Darlehensbetrag | 🔴 Pflicht | Exakter Betrag in € |
| Zinssatz | 🔴 Pflicht | 0 % erlaubt (gilt als Schenkung der Zinsen) |
| Laufzeit | 🔴 Pflicht | Festes Datum oder Ereignis (z.B. Verkauf) |
| Tilgungsplan | 🔴 Pflicht | Monatliche Rate oder Einmalzahlung |
| Tatsächliche Zahlung | 🔴 Pflicht | Echte Überweisungen per Konto, kein Bar |
| Sicherheiten | 🟡 Empfohlen | Nachrangige Grundschuld auf der Immobilie |
| Notarielle Beurkundung | 🟢 Optional | Empfohlen bei hohen Beträgen |
💡 Zinsloses Familiendarlehen: Wie viel Schenkung entsteht?
Wenn Eltern ein zinsloses Darlehen geben, schenken sie indirekt die Zinsersparnis. Das Finanzamt berechnet den Schenkungswert nach dem Bundesbankzinssatz. Praktisch: Meist liegt die jährliche „Schenkung" weit unter dem Freibetrag.
📊 Rechenbeispiel Zinsvorteil als Schenkung
✅ Vorteile Familiendarlehen vs. Schenkung
- Geld verbleibt rechtlich bei Eltern
- Flexibel: Rückzahlung bei Elternbedarf möglich
- Steuerlich günstiger bei hohen Beträgen
- Kann parallel zur Schenkung genutzt werden
- Geschwister werden nicht benachteiligt (da zurückgezahlt)
⚠️ Achtung: Bank bewertet Familiendarlehen anders als Schenkung
Ein Familiendarlehen, das zurückgezahlt werden muss, wird von manchen Banken als Verbindlichkeit (nicht als EK) gewertet. Klären, ob die Bank das Darlehen als EK-Ersatz akzeptiert. Tipp: Vorab mit Bankberater sprechen.
Bürgschaft & nachrangige Grundschuld: Unterschiede & Risiken
⚠️ Bürgschaft: Das volle Risiko
Die selbstschuldnerische Bürgschaft ist die risikoreichste Form der Elternhilfe. Die Bank kann ohne Vorwarnung direkt auf das Vermögen der Eltern zugreifen.
Was Eltern riskieren:
- Haftung mit gesamtem Privatvermögen — inkl. eigenem Haus, Rente, Ersparnisse
- Bank kann Eltern direkt pfänden — kein Umweg über das Kind
- Zeitlich unbegrenzt — auch wenn das Kind gut verdient
- Kann Altersversorgung der Eltern gefährden
- Kredithistorie der Eltern wird belastet
Wann ist eine Bürgschaft sinnvoll?
- Kind hat keine eigene Immobilie als Sicherheit
- Bonität des Kindes allein nicht ausreichend
- Eltern haben stabiles, hohes Einkommen
- Bürgschaft auf Zeit begrenzt (z.B. bis BLA unter 80 %)
🏠 Nachrangige Grundschuld: Die bessere Alternative
Wenn Eltern eine abbezahlte Immobilie besitzen, können sie diese als Sicherheit einsetzen — ohne Geld herzugeben und mit begrenzterem Risiko als bei einer Bürgschaft.
Wie es funktioniert:
- Bank des Kindes prüft Wert der Elternimmobilie
- Notar trägt Grundschuld auf Elternimmobilie ein
- Kind bekommt dadurch niedrigeren BLA → bessere Zinsen
- Kosten: ca. 500–1.500 € Notar + Grundbuch
- Grundschuld wird gelöscht, sobald vereinbarter Tilgungsstand erreicht
📊 Bürgschaft vs. nachrangige Grundschuld
| Merkmal | Bürgschaft | Grundschuld |
|---|---|---|
| Haftung | Unbegrenzt persönlich | Auf Grundschuldwert begrenzt |
| Bank-Zugriff | Direkt sofort | Erst nach Zwangsversteigerung |
| Kosten | Gering | 500–1.500 € Notar |
| Schufa-Eintrag | Ja (Eltern) | Nein |
| Befristbar | Schwierig | Ja, klar regelbar |
| Empfehlung | ⚠️ Vorsicht | ✅ Bevorzugt |
Beleihungsauslauf (BLA): Warum er über den Zinssatz entscheidet
Der Beleihungsauslauf ist das Verhältnis von Darlehenssumme zum Beleihungswert der Immobilie. Er bestimmt maßgeblich, welchen Zinssatz die Bank anbietet — und genau hier setzt Eltern-EK an.
Formel: BLA = Darlehen ÷ Beleihungswert × 100
Der Beleihungswert ist in der Regel 80–90 % des Kaufpreises (je nach Bank). Kaufpreis 350.000 € → Beleihungswert ca. 315.000 €.
| BLA | Zinsaufschlag ca. | Bewertung | Benötigtes EK |
|---|---|---|---|
| Bis 60 % | ± 0 % (Bestrate) | Exzellent | > 40 % des KP |
| 60–70 % | + 0,1–0,2 % | Sehr gut | 30–40 % des KP |
| 70–80 % | + 0,2–0,3 % | Gut | 20–30 % des KP |
| 80–90 % | + 0,3–0,5 % | Okay | 10–20 % des KP |
| 90–100 % | + 0,5–0,8 % | Hoch | 0–10 % des KP |
| Über 100 % | + 0,8–1,5 % | Kritisch | Nur Nebenkosten |
📊 Konkretes Beispiel: Was 50.000 € Eltern-EK bringen
Ausgangssituation: Kaufpreis 350.000 €, Kind hat 25.000 € EK (7,1 % nach Nebenkosten), BLA = 95 %
Die 50.000 € Schenkung spart 18.840 € Zinsen über 10 Jahre — dazu kommt der niedrigere Darlehensbetrag selbst. Effektive Rendite der Schenkung: sehr hoch.
Rückforderungsklauseln im Schenkungsvertrag: 5 Szenarien
Eltern sollten bei einer Schenkung immer bestimmte Rückforderungsrechte vereinbaren — nicht aus Misstrauen, sondern um das Familienvermögen vor unerwünschten Szenarien zu schützen.
📛 Insolvenz des Kindes
Bei Privatinsolvenz des Kindes könnte das geschenkte EK (als Teil des Immobilienwerts) an Gläubiger fallen. Rückforderungsklausel schützt vor diesem Szenario. Insolvenzverwalter kann Schenkung anfechten — wenn innerhalb von 4 Jahren vor Insolvenz.
💔 Scheidung / Trennung
Bei Scheidung könnte der Ex-Partner Ansprüche auf das geschenkte EK stellen (als Teil des Zugewinnausgleichs). Mit Rückforderungsklausel bei Scheidung bleibt das Familienvermögen geschützt. Ohne Klausel: Ex-Partner kann bis zu 50 % des EK-Werts beanspruchen.
💀 Tod des Kindes vor Eltern
Wenn das Kind vor den Eltern stirbt, könnte die Immobilie (inkl. des geschenkten EK-Anteils) an Schwiegerkind oder Enkel gehen. Rückforderungsklausel stellt sicher, dass das geschenkte Vermögen in der Familie bleibt.
🔄 Verkauf ohne Zustimmung
Wenn das Kind die Immobilie verkaufen möchte und der Erlös nicht in eine neue Familienimmobilie fließt, können Eltern die Schenkung zurückfordern. Schützt davor, dass das Geld für andere Zwecke verwendet wird.
😤 Grober Undank
Gesetzliches Rückforderungsrecht: Bei schwerer Verletzung der familiären Treuepflicht (z.B. schwere Straftat gegen Eltern) können Eltern die Schenkung zurückfordern (§ 530 BGB). Muss nicht extra vereinbart werden.
🆘 Verarmung der Eltern
Gesetzliches Rückforderungsrecht: Wenn Eltern verarmen und Sozialhilfe beantragen müssten, können sie die Schenkung zurückfordern (§ 528 BGB). Auch das Sozialamt kann ggf. die Rückforderung verlangen.
📋 Praxis-Hinweis: Notar vs. privatschriftlich
Rückforderungsklauseln für Scheidung und Insolvenz müssen notariell beurkundet werden, um vollständig wirksam zu sein. Ein privatschriftlicher Vertrag ist schwerer durchzusetzen. Kosten für notariellen Schenkungsvertrag mit Rückforderungsklauseln: ca. 800–2.500 € je nach Schenkungshöhe — absolut sinnvoll.
Rechenbeispiele: Eltern-Unterstützung in der Praxis
| Profil | Kaufpreis | EK Kind | Eltern-Beitrag | BLA | Zins ca. | Rate/Monat | Ersparnis |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ohne Eltern NRW, 15J |
350.000 € | 25.000 € | 0 € | 95 % | 4,87 % | ~1.625 € | — |
| Schenkung 50k NRW, 15J |
350.000 € | 25.000 € | 50.000 € Schenkung | 78 % | 4,37 % | ~1.468 € | −157 €/Mo. |
| Familiendarlehen Bayern, 15J |
480.000 € | 50.000 € | 80.000 € Darlehen | 72 % | 4,20 % | ~1.510 € | −180 €/Mo. vs. ohne |
| Grundschuld Elternhaus Hessen, 15J |
400.000 € | 30.000 € | Grundschuld 100k | 76 % | 4,27 % | ~1.380 € | −120 €/Mo. |
Schätzwerte, 2 % Tilgung, Live-Zinsen. Nicht verbindlich. Stand .
Schritt für Schritt: Hauskauf mit Eltern-Unterstützung
1. Gespräch mit den Eltern führen
Offenes Gespräch über Möglichkeiten, Erwartungen und Risiken. Welche Variante passt? Schenkung vs. Darlehen vs. Bürgschaft. Eltern über eigene Risikobereitschaft informieren.
2. Steuerberater / Notar einschalten
Vor dem Kaufvertrag: Schenkungsvertrag mit Rückforderungsklauseln beim Notar aufsetzen. Steuerberater: Freibetragsnutzung optimieren, besonders wenn Großeltern ebenfalls helfen.
3. Geld überweisen (3+ Monate vorher)
Schenkungsbetrag rechtzeitig überweisen — manche Banken verlangen Nachweis, dass EK seit 3 Monaten auf dem Konto liegt. Betreff: „Schenkung Eigenkapital Hauskauf". Finanzamt informieren.
4. Finanzierungsberatung mit vollständiger EK-Situation
500+ Banken vergleichen lassen — mit dem gesamt verfügbaren EK (Kind + Eltern). Der verbesserte Beleihungsauslauf öffnet neue Konditionsklassen. Herkunftsnachweis bereithalten.
5. Kreditantrag stellen mit EK-Nachweis
Bank verlangt Kontoauszüge und Schenkungsbestätigung. Klären: Wertet die Bank das Familiendarlehen als EK oder Verbindlichkeit? Notfalls Schenkung statt Darlehen wählen.
6. GwG-Anforderungen erfüllen
Geldwäschegesetz: Banken müssen ab bestimmten Beträgen die Herkunft des EK nachweisen. Schenkungsvertrag, Kontoauszüge der Eltern und eigene Erklärung bereithalten. Keine Bar-Übergaben.
7. Notartermin: Kaufvertrag
Kaufvertrag beim Notar. Wenn Eltern Miteigentümer werden sollen: Grundbucheintrag klären. Bei nachrangiger Grundschuld: Notar koordiniert Eintrag auf Elternimmobilie.
8. Familiendarlehen: Rückzahlungen einrichten
Falls Familiendarlehen: Dauerauftrag für monatliche Raten einrichten. Kontoauszüge aufbewahren — Finanzamt kann jederzeit prüfen. Vertrag im Steuerordner ablegen.
9. Erbschaft & Pflichtteil mit Geschwistern klären
Schenkungen werden auf den Pflichtteil angerechnet (§ 2315 BGB). Bei mehreren Kindern: Mit Eltern besprechen, ob Schenkung auf Erbschaft angerechnet wird. Testaments-Update der Eltern empfohlen.
10. Nach Kauf: Grundschuld ggf. löschen lassen
Bei nachrangiger Grundschuld: Vereinbarte Löschungsbedingungen überwachen. Sobald BLA-Grenze erreicht: Löschungsantrag beim Grundbuchamt. Elternhaus wieder unbelastet.
6 Spartipps: Das Maximale aus Eltern-Unterstützung herausholen
💚 1. Freibetrag-Timing optimieren
Hat bereits eine Schenkung stattgefunden? Prüfen, wann der 10-Jahres-Freibetrag ausläuft und sich erneuert. Wer 2016 eine Schenkung erhalten hat, kann 2026 erneut den vollen Freibetrag nutzen.
💚 2. Alle Freibeträge stapeln
Eltern + Großeltern + ggf. Eltern des Ehepartners: Bis zu 3,2 Mio. € steuerfrei für ein verheiratetes Paar in 10 Jahren. Frühzeitig Gespräche mit der gesamten Familie führen — ein Steuerberater koordiniert dies optimal.
💚 3. Schenkung vor Kaufvertrag
Idealerweise 3+ Monate vor dem Kreditantrag überweisen. Manche Banken gewähren bessere Konditionen, wenn EK bereits auf dem Konto nachgewiesen werden kann. Spontan-Schenkungen kurz vor Notartermin können Probleme machen.
💚 4. BLA-Schwelle gezielt unterbieten
Große Zinssprünge gibt es bei BLA 60 %, 70 %, 80 % und 90 %. Berechnen, wie viel EK nötig ist, um die nächste Schwelle zu unterschreiten — manchmal reichen 5.000–10.000 € mehr für erhebliche Zinsersparnisse.
💚 5. Schenkung + Darlehen kombinieren
Eltern können Teil als Schenkung geben (nutzt Freibetrag, wird als EK gewertet) und Rest als Familiendarlehen (bleibt in der Familie). Kombination maximiert Steuerfreiheit und hält Flexibilität.
💚 6. Kaufnebenkosten vom EK trennen
Kaufnebenkosten (GrESt, Notar, Makler) sollten möglichst aus Eigenkapital bezahlt werden, das die Bank NICHT als EK für den BLA braucht. Eltern können gezielt die Nebenkosten übernehmen und das Kind finanziert alles andere selbst → besserer BLA.
Die 7 teuersten Fehler bei der Finanzierung mit Eltern
1. Schenkung ohne Schenkungsvertrag
Ohne dokumentierten Schenkungsvertrag kann die Bank die Herkunft des Geldes nicht akzeptieren. Schlimmstenfalls wird das EK nicht anerkannt, und der Kredit scheitert kurz vor dem Notartermin. Ein Formular-Vertrag reicht nicht — notarielle Beurkundung empfohlen.
2. Finanzamt nicht informiert
Schenkungen müssen dem Finanzamt angezeigt werden — auch wenn sie unter dem Freibetrag liegen. Wer das nicht tut, riskiert Probleme bei späteren Prüfungen. Die Anzeige ist formlos und kostenlos, kann aber später Ärger ersparen.
3. Familiendarlehen ohne Fremdüblichkeit
Mündliche Abmachungen, keine Zahlungen, keine Laufzeit — das Finanzamt klassifiziert das gesamte Darlehen als Schenkung, was ggf. den Freibetrag übersteigt. Alle Zahlungen müssen nachweisbar per Konto stattfinden.
4. Bürgschaft ohne Risikoabwägung
Eltern unterschreiben eine selbstschuldnerische Bürgschaft ohne zu verstehen, dass ihr gesamtes Vermögen haftet. Im Worst Case verlieren sie ihr eigenes Haus. Immer einen Anwalt hinzuziehen, bevor Eltern eine Bürgschaft unterschreiben.
5. Geschwister nicht berücksichtigt
Wird einem Kind eine große Schenkung gemacht, können Geschwister später Ausgleich beim Erbe fordern (Pflichtteilsergänzungsanspruch). Wichtig: Mit Eltern und Geschwistern frühzeitig sprechen, Testaments-Update der Eltern veranlassen.
6. Zu late Schenkung (kurz vor Insolvenz)
Schenkungen innerhalb von 4 Jahren vor Insolvenz des Kindes können vom Insolvenzverwalter angefochten werden. Wer finanzielle Probleme hat, sollte keine Elternschenkung annehmen — das Geld könnte verloren gehen.
7. BLA-Schwelle knapp verfehlt
Viele Käufer optimieren ihr EK nicht auf die Beleihungsauslauf-Schwellenwerte hin. Mit 2.000 € mehr EK von 81 % auf 79 % BLA — Zinsersparnis über 15 Jahre: 5.000 €. Immer ausrechnen, ob mehr EK (auch als Schenkung) eine Schwelle unterschreitet.
Schenkungsteuer, Erbschaftsrecht & steuerliche Optimierung
💶 Schenkungsteuer: Alle Freibeträge & Steuersätze
| Verwandtschaft | Freibetrag | Steuerklasse | Steuersatz ab FB |
|---|---|---|---|
| Eltern → Kind | 400.000 € | I | 7–30 % |
| Großeltern → Enkel | 200.000 € | I | 7–30 % |
| Ehegatte → Ehegatte | 500.000 € | I | 7–30 % |
| Onkel / Tante → Nichte/Neffe | 20.000 € | II | 15–43 % |
| Unverheirateter Partner | 20.000 € | III | 30–50 % |
10-Jahres-Frist nutzen
Freibeträge erneuern sich alle 10 Jahre. Wer früh anfängt zu planen: Eltern können das Geld in zwei Tranchen schenken und so den doppelten Freibetrag nutzen. Beispiel: 2016 → 400k, 2026 → erneut 400k steuerfrei.
🏠 Pflichtteil & Geschwister: Was zu beachten ist
Schenkungen an ein Kind werden auf den Pflichtteil beim Erbfall angerechnet (§ 2315 BGB). Geschwister haben einen Pflichtteilsergänzungsanspruch für Schenkungen innerhalb von 10 Jahren vor dem Erbfall.
| Szenario | Rechtslage | Lösung |
|---|---|---|
| Schenkung vor 10 Jahren | Kein Ergänzungsanspruch | Timing beachten |
| Schenkung vor 5 Jahren | 50 % Anrechnungspflicht | Testament anpassen |
| Schenkung vor 1 Jahr | 100 % Anrechnungspflicht | Notarielles Testament |
| Keine Geschwister | Kein Ergänzungsanspruch | Vereinfachter Fall |
💡 Empfehlung: Testament der Eltern aktualisieren
Wenn Eltern einem Kind eine Schenkung machen, sollten sie zeitgleich ihr Testament aktualisieren — um klarzustellen, ob die Schenkung auf den Erbanteil angerechnet wird oder nicht. Das schützt vor Geschwister-Konflikten.
Nießbrauch & Wohnrecht: Wenn Eltern schenken und trotzdem wohnen bleiben
Eine der elegantesten aber am wenigsten bekannten Strategien: Eltern schenken dem Kind die Immobilie — behalten aber ein lebenslanges Wohn- oder Nutzungsrecht. Das senkt den Schenkungswert erheblich und spart dadurch Schenkungsteuer, selbst wenn der Freibetrag überschritten wird.
🏠 Wohnrecht (§ 1093 BGB) — das Basics-Modell
Eltern schenken dem Kind die Immobilie und erhalten im Gegenzug ein notariell im Grundbuch eingetragenes lebenslanges Wohnrecht. Sie dürfen das Haus bewohnen, können es aber nicht vermieten oder wirtschaftlich nutzen.
Steuerlicher Effekt: Wohnrecht mindert Schenkungswert
Das Finanzamt zieht den Kapitalwert des Wohnrechts vom Schenkungswert ab. Berechnung: Jahreswert des Wohnrechts (Marktmiete) × Vervielfältiger (abhängig von Lebenserwartung).
| Parameter | Beispielwert |
|---|---|
| Immobilienwert | 600.000 € |
| Jahresmiete (Wohnrecht-Wert) | 18.000 € |
| Lebenserwartung Eltern (je 65J) | Vervielfältiger ca. 13,0 |
| Kapitalwert Wohnrecht | 234.000 € |
| Steuerpflichtiger Schenkungswert | 366.000 € (statt 600k) |
| Ersparnis durch Wohnrecht | 234.000 € weniger Steuerbasis |
⚠️ Wichtig: Bank muss zustimmen
Wenn die Immobilie noch belastet ist (laufender Kredit), müssen Eltern und Kind sicherstellen, dass die Bank einem Wohnrecht zustimmt. Ein vorrangiges Wohnrecht kann den Beleihungswert für die Bank senken.
📊 Nießbrauch (§ 1030 BGB) — das Profi-Modell
Der Nießbrauch geht weiter als das Wohnrecht: Eltern können die Immobilie nicht nur selbst bewohnen, sondern auch vermieten und die Mieteinnahmen behalten. Sie tragen dafür die laufenden Kosten.
Vorteile des Nießbrauchs
- Noch größere Minderung des Schenkungswerts (Nießbrauch = voller wirtschaftlicher Wert)
- Eltern erhalten weiter Mieteinnahmen aus dem Objekt
- Eltern können Steuern auf Mieteinnahmen optimieren (AfA, Werbungskosten)
- Kind ist zivilrechtlicher Eigentümer, aber Eltern nutzen die Immobilie
Nießbrauch vs. Wohnrecht — Entscheidungshilfe
| Wohnrecht | Nießbrauch | |
|---|---|---|
| Selbst wohnen | ✓ | ✓ |
| Vermieten | ✗ | ✓ |
| Steuerwert-Minderung | Mittel | Hoch |
| Bankakzeptanz | Bedingt | Schwierig |
| Komplexität | Einfach | Mittel |
Sowohl Wohnrecht als auch Nießbrauch müssen notariell beurkundet und ins Grundbuch eingetragen werden. Die Einräumung eines Nießbrauchs im Zusammenhang mit einer Baufinanzierung sollte immer mit Bank und Steuerberater abgestimmt werden.
Individuelle Beratung zu Nießbrauch + Finanzierung →Mehrgenerationen-Wohnen: Wenn Eltern und Kind gemeinsam kaufen oder bauen
Immer mehr Familien entscheiden sich für ein gemeinsames Wohnprojekt: Kind und Eltern unter einem Dach — in getrennten Wohneinheiten. Das reduziert die Finanzierungslast erheblich und bietet beiden Generationen praktische Vorteile.
🏘️ Einliegerwohnung
Kind kauft EFH mit Einliegerwohnung. Eltern beziehen die kleinere Einheit. Eltern zahlen Miete → senkt die monatliche Netto-Belastung des Kindes. Steuerlich: Kind versteuert Mieteinnahmen, kann aber AfA und anteilige Kosten absetzen.
Häufigste Variante🏠 Doppelhaus (je 50 %)
Kind und Eltern kaufen jeweils eine Doppelhaushälfte. Jeder ist alleiniger Eigentümer seiner Hälfte. Unabhängige Finanzierungen. Vorteil: klare Eigentumsverhältnisse, keine Bruchteilsgemeinschaft. Nachteile: keine gemeinsame Finanzierungsoptimierung.
Klare Trennung📋 Bruchteilsgemeinschaft
Kind und Eltern kaufen gemeinsam — jeder mit seinem Anteil im Grundbuch (z.B. Kind 60 %, Eltern 40 %). Gemeinsame Finanzierung → bessere Gesamtbonität. Risiken: Auflösung der Gemeinschaft bei Streit; bei Tod der Eltern geht Anteil an Erben.
Mit Vertrag absichern🎁 Schenkung + Wohnrecht
Eltern übertragen dem Kind die Immobilie (oder eine Einheit davon) per Schenkung und erhalten im Gegenzug ein lebenslanges Wohnrecht. Eltern zahlen keine Miete — Kind erhält nichts, haftet aber auch für nichts. Steueroptimierung durch Wohnrechtswert.
Steuerlich optimal💰 Finanzierungsvorteil Einliegerwohnung: Konkretes Beispiel
Steuerlich: Mieteinnahmen → AfA 3 %/Jahr auf Gebäudeanteil + anteilige Zinsen und Kosten absetzbar → oft niedrige oder keine Steuerlast auf die Mieteinnahmen.
🔑 KfW-Förderungen für Mehrgenerationen
- KfW 455-B (Altersgerecht Umbauen): Barrierefreier Umbau für ältere Mitbewohner — bis 50.000 € Kredit
- KfW 297/298: Wenn Neubau EH40/EH55 → gilt für das gesamte Gebäude inkl. Einliegerwohnung
- KfW 300: Wenn Kinder im Haushalt → auch Mehrgenerationen-Objekte förderfähig
- NRW.BANK Wohnraumförderung: Für Mehrgenerationen-Wohnen gibt es spezifische Landesförderungen
⚠️ Mietvertrag muss fremdüblich sein
Wenn Eltern Miete zahlen, muss diese mindestens 66 % der Ortsmiete betragen, damit das Kind die vollen Werbungskosten absetzen kann. Bei Miete unter 66 % der Ortsmiete: nur anteilige Absetzbarkeit. Immer steuerlich prüfen lassen.
Was passiert wenn Eltern sterben, während der Kredit noch läuft?
Diese Frage verdrängen die meisten — dabei ist sie für die langfristige Absicherung entscheidend. Je nachdem, welche Form der Elternunterstützung gewählt wurde, entstehen bei Tod der Eltern sehr unterschiedliche Konsequenzen.
⚠️ Je nach Variante entstehen andere Risiken
| Variante | Was beim Tod der Eltern passiert | Risiko | Lösung |
|---|---|---|---|
| Schenkung | Keine laufenden Verpflichtungen → unkritisch | Kein Risiko | — |
| Familiendarlehen | Restschuld wird Teil des Nachlasses. Erben erben die Forderung gegen das Kind. | Erben könnten Rückzahlung fordern | Erlass-Klausel im Darlehensvertrag: Bei Tod der Eltern → Darlehen erlassen |
| Bürgschaft | Bürgschaft erlischt NICHT. Erben der Eltern übernehmen die Bürgschaftsverpflichtung. | Erben ungewollt in Haftung | Bürgschaft auf Lebzeiten der Eltern begrenzen + Löschungsklausel bei Tod |
| Nachrangige Grundschuld | Grundschuld auf Elternimmobilie geht auf Erben über. Erben des Elternhauses haften. | Erben tragen Risiko | Automatische Löschungsvereinbarung im Vertrag bei Tod oder nach x Jahren |
| Nießbrauch / Wohnrecht | Erlischt automatisch mit dem Tod des Berechtigten (höchstpersönliches Recht) | Kein Risiko | Grundbuchlöschung beantragen |
✅ So sichert ihr jeden Fall ab
Beim Familiendarlehen: Erlass-Klausel
Im Darlehensvertrag festhalten: „Bei Tod des Darlehensgebers erlischt die Forderung. Das Darlehen gilt in diesem Fall als schenkungsweise erlassen." → Erben erben keine Forderung, Kind ist frei.
Bei Bürgschaft: Befristung auf Lebzeiten
Bürgschaft mit Klausel: „Die Bürgschaft endet mit dem Tod des Bürgen." Diese Klausel muss ausdrücklich mit der Bank vereinbart werden — nicht jede Bank stimmt zu. Alternative: Bürgschaft durch BLA-Grenze terminieren lassen.
Bei Grundschuld: Löschungsvereinbarung
Notarielle Vereinbarung: „Grundschuld wird gelöscht, sobald BLA unter 80 % oder bei Tod der Eltern." Erben des Elternhauses erhalten eine lastenfreie Immobilie. Kosten: einmalig im Notarvertrag vereinbaren.
Risikolebensversicherung beider Seiten
Das Kind sollte eine Risikolebensversicherung haben — damit bei Tod des Kindes der Kredit abgelöst wird und Eltern (oder Erben) nicht auf dem Darlehen sitzenbleiben. Umgekehrt: Wenn Eltern als Bürgen fungieren, sollte eine Police den Ausfall absichern.
💡 Testament der Eltern: Darlehen vs. Erbschaft abgleichen
Wenn Eltern ein Familiendarlehen gegeben haben, sollte ihr Testament regeln: Wird die Darlehensforderung nach dem Tod erlassen? Oder geht sie als Nachlassforderung auf andere Erben über? Ohne Testament: Geschwister könnten die Rückzahlung fordern. Ein aktuelles Testament schützt alle Beteiligten — besonders wenn mehrere Kinder vorhanden sind.
3 Fallbeispiele: Eltern-Unterstützung erfolgreich & gescheitert
Fall 1: Die Schenkung — perfekt strukturiert
MusterlösungSituation: Jonas (31) und Laura (29) möchten in München eine ETW für 550.000 € kaufen. Sie haben zusammen 40.000 € gespart (7,3 % EK) — weit zu wenig für gute Konditionen.
Lösung: Lauras Eltern schenken 200.000 € (je 100.000 € pro Elternteil — weit unter den 400.000 €-Freibeträgen). Jonas' Eltern schenken weitere 80.000 €. Gesamt-EK: 320.000 € (58 % des KP).
Vorgehen: Notarielle Schenkungsverträge mit Rückforderungsklauseln bei Scheidung und Insolvenz. Finanzamt informiert. Geld 4 Monate vor Kreditantrag überwiesen.
Ergebnis: BLA 60 % → beste Zinsklasse. Zins 4,07 % statt erwarteter 4,87 %. Rate: 1.650 €/Monat statt 2.325 € (bei 0 % EK). Ersparnis: 675 €/Monat. KfW 124 zusätzlich genutzt.
Zinsvorteil über 15 Jahre: ca. 121.500 € — mehr als das Elterngeld halbiert die Gesamtbelastung. Schenkungsverträge sichern das Familienvermögen.
Fall 2: Die Bürgschaft — Desaster für die Eltern
Schlechtes BeispielSituation: Kai (34) kauft ein EFH in NRW für 380.000 €. Eigenes EK: 15.000 €. Eltern unterschreiben ohne große Überlegung eine selbstschuldnerische Bürgschaft — damit die Bank finanziert.
Problem 2025: Kai verliert seinen Job. Rate 1.750 €/Monat kann nicht mehr gezahlt werden. Drei Monate Rückstand. Bank aktiviert die Bürgschaft der Eltern.
Konsequenzen: Eltern (Rentnerpaar, 67 und 65) müssen die ausstehenden 5.250 € sofort zahlen. Bank droht mit vollständiger Fälligkeit: 345.000 € Restschuld. Elternhaus im Wert von 280.000 € steht als einziges Vermögen.
Was wäre besser gewesen:
Nachrangige Grundschuld auf das Elternhaus — mit Löschungsvereinbarung ab BLA 80 %. Eltern haften nur bis zum Grundschuldwert, nicht unbegrenzt mit allem. Bürgschaft hätte nie unterschrieben werden sollen.
Fall 3: Das Familiendarlehen — korrekt gestaltet
Empfohlenes BeispielSituation: Anna (38) kauft eine ETW in Hamburg für 420.000 €. Eigenes EK: 60.000 €. Eltern haben 120.000 € auf dem Konto, wollen aber das Geld nicht verschenken — es ist ihr Puffer für das Alter.
Lösung: Familiendarlehen: Eltern leihen Anna 100.000 € zu 2 % Zins p.a. (deutlich günstiger als Bank). Schriftlicher Vertrag, 15-jährige Laufzeit, monatliche Rate 650 €/Monat. Tilgungsplan erstellt. Steuerberater eingeschaltet.
Bank-Ergebnis: Die Bank erkennt das Familiendarlehen als EK an (mit Erklärung, dass es als Eigenkapital behandelt wird). Gesamt-EK: 160.000 € = 38 % des KP. BLA 69 % → sehr gute Zinsklasse.
Eltern erhalten 2 % Rendite auf ihr Geld (steuerlich zu deklarieren). Anna zahlt deutlich weniger als bei Bankzinsen. Finanzamt akzeptiert alle Zahlungen — Kontoauszüge belegen die echte Durchführung.
Warum Eltern-Eigenkapital den Zinssatz stärker beeinflusst als viele denken
Das Eigenkapital beim Hauskauf ist nicht nur eine Puffergröße — es ist der direkte Hebel für günstigere Konditionen. Banken staffeln ihre Zinssätze nach dem Beleihungsauslauf, und dieser unterscheidet sich mit 60.000 € mehr Eigenkapital oft um 0,3–0,8 Prozentpunkte. Auf 15 Jahre und 300.000 € Darlehen sind das schnell 15.000–35.000 € Unterschied in der Zinsbelastung. Eine Schenkung der Eltern amortisiert sich oft innerhalb weniger Jahre allein durch die Zinsersparnis. Mehr dazu im interaktiven Eigenkapital-Booster-Rechner oben.
Schenkung vs. Erbschaft: Welche Strategie passt für die Familie?
Viele Eltern überlegen, ob sie Vermögen besser zu Lebzeiten verschenken oder vererben sollen. Für den Hauskauf spricht vieles für die Schenkung: Die Kinder profitieren dann, wenn sie das Geld wirklich brauchen. Steuerlich kann man durch frühzeitige Schenkungen die 10-Jahres-Frist mehrfach nutzen — was beim Erbfall nicht möglich ist. Außerdem können Rückforderungsklauseln das Familienvermögen schützen und Schenkungen teilweise zurückgeholt werden. Eine professionelle Beratung durch Baufi Deutschland koordiniert Finanzierung und steuerliche Optimierung.
Wenn Eltern selbst noch eine Immobilie abbezahlen
Was, wenn Eltern kein flüssiges Geld haben, aber eine weitgehend abbezahlte Immobilie? Die nachrangige Grundschuld ist die Lösung: Eltern stellen ihr Haus als Sicherheit zur Verfügung, ohne Geld zu bewegen. Das Kind bekommt bessere Kreditkonditionen, die Eltern behalten ihre Immobilie vollständig. Das Risiko: Im absoluten Worst Case ist das Elternhaus gefährdet. Mit einer klaren Löschungsvereinbarung (z.B. ab BLA 80 %) und einer Risikolebensversicherung des Kindes lässt sich dieses Risiko minimieren. Unser Tipp: Immobilienwert der Eltern ermitteln lassen bevor die Grundschuld beantragt wird.
Hauskauf von den Eltern: Wenn das Familienhaus übernommen wird
Eine besondere Situation: Das Kind kauft das Haus der Eltern. Große Vorteile: Keine Grunderwerbsteuer (§ 3 Nr. 6 GrEStG — GrESt-frei bei Kauf von direkten Vorfahren), oft günstiger Kaufpreis, kein Makler. Aber: Der Kaufpreis muss realistisch und marktüblich sein — ein zu niedriger Preis gilt als teilweise Schenkung und muss entsprechend behandelt werden. Banken finanzieren nur zu marktgerechten Preisen. Auch hier: Ein unabhängiger Wertgutachter durch Immo Deutschland schafft Sicherheit für alle Beteiligten.
Nießbrauch & Wohnrecht: Wie Eltern schenken und trotzdem wohnen bleiben
Eine der elegantesten Gestaltungsmöglichkeiten: Eltern schenken dem Kind die Immobilie (oder ihren Anteil), behalten aber ein lebenslanges Wohnrecht oder einen Nießbrauch. Das reduziert den steuerpflichtigen Schenkungswert erheblich — und Eltern müssen nicht ausziehen.
🏠 Nießbrauch vs. Wohnrecht: Der Unterschied
| Merkmal | Nießbrauch | Wohnrecht |
|---|---|---|
| Definition | Vollständige Nutzung inkl. Vermietung | Nur persönliches Wohnen |
| Mieteinnahmen | Eltern dürfen vermieten & kassieren | Nicht möglich |
| Instandhaltung | Eltern tragen laufende Kosten | Kind trägt große Reparaturen |
| Grundbucheintrag | Abt. II (Lasten) | Abt. II (Lasten) |
| Übertragbar | Nicht übertragbar, nicht vererbbar | Nicht übertragbar |
| Schenkungswert-Minderung | Sehr hoch (Jahreswert × Faktor) | Mittel |
| Empfehlung bei | Eltern wollen auch vermieten können | Nur Eigenbedarf der Eltern |
📐 Wie wird der Nießbrauchwert berechnet?
Der Schenkungswert der Immobilie wird um den Kapitalwert des Nießbrauchs gemindert. Formel:
📊 Konkretes Rechenbeispiel Nießbrauchschenkung
Vater (65) schenkt Kind sein Haus im Wert von 500.000 €, behält Nießbrauch.
⚠️ Was bei Pflegebedürftigkeit passiert
Wenn Eltern ins Pflegeheim müssen, kann das Sozialamt den Nießbrauch verwerten. Der Nießbrauch kann gegen Zahlung abgelöst werden (Kapitalwert). Lösung: Im Nießbrauchvertrag eine Klausel aufnehmen, dass bei Pflegebedürftigkeit der Nießbrauch auf das Kind übergeht.
✅ Wann Nießbrauch besonders sinnvoll ist
- Eltern wohnen im Haus und wollen nicht ausziehen
- Immobilienwert über Schenkungsfreibetrag (400.000 €)
- Eltern sind jung genug (hoher Vervielfältiger)
- Immobilie soll frühzeitig aus der Erbmasse
- Kombination mit vorgezogener Erbschaft
Mehrgenerationen-Wohnen: Gemeinsam kaufen, Kosten teilen
Immer mehr Familien kaufen gemeinsam: Eltern und Kind unter einem Dach — in einer Einliegerwohnung, einem Zweifamilienhaus oder als echte Wohngemeinschaft. Das spart Kosten, ermöglicht gegenseitige Unterstützung und nutzt steuerliche Möglichkeiten.
🏘️ Die drei häufigsten Modelle
✅ Modell 1: Einliegerwohnung
Kind kauft EFH mit Einliegerwohnung. Eltern ziehen in die Einliegerwohnung ein, zahlen Miete (steuerlicher Vorteil: Kind kann Werbungskosten absetzen). Jeder hat seinen eigenen Bereich. Einfachste und häufigste Variante. Achtung: Miete muss mindestens 66 % der ortsüblichen Miete betragen für volle Steuervorteile.
📋 Modell 2: Zweifamilienhaus (WEG)
Eltern und Kind kaufen ein Zweifamilienhaus — jeder besitzt eine Eigentumswohnung (Wohnungseigentümergemeinschaft). Beide stehen im Grundbuch mit ihrer Einheit. Klare Eigentumsverhältnisse, separat finanzierbar. Nachteil: Notarkosten für WEG-Aufteilung.
⚖️ Modell 3: Gemeinsames Miteigentum
Eltern und Kind kaufen gemeinsam als Bruchteilsgemeinschaft (z.B. 50/50). Beide zahlen anteilig die Rate. Vorteil: Elterneinkommen verbessert Bonität. Nachteil: Kompliziert bei Erbschaft und Eigentumsübertragung. Partnerschaftsvertrag zwischen Eltern und Kind dringend empfohlen.
💰 Finanzielle Vorteile des Mehrgenerationen-Wohnens
| Vorteil | Detail | Ersparnis ca. |
|---|---|---|
| Kaufnebenkosten teilen | GrESt, Notar, Makler gemeinsam | 5.000–20.000 € |
| Bessere Bonität | Zweites Einkommen senkt BLA | 50–200 €/Monat Zins |
| KfW Barrierereduzierung | KfW 159: bis 50.000 € förderbar | bis 2.500 € Zuschuss |
| Steuer (Einliegerwohnung) | Werbungskosten absetzbar | Individuell |
| Pflegeersparnis | Gegenseitige Unterstützung statt Heim | 1.500–3.000 €/Monat |
⚠️ Was wenn Eltern ins Pflegeheim müssen?
Das größte Risiko beim Mehrgenerationen-Wohnen: Eltern werden pflegebedürftig und müssen ausziehen. Im Vorfeld regeln: Wer zahlt die Einliegerwohnung-Rate wenn Eltern weg sind? Kann die Wohnung an Dritte vermietet werden? Gibt es ein Vorkaufsrecht? Diese Szenarien gehören in einen notariellen Vertrag.
KfW 159: Altersgerecht Umbauen
Beim Einbau altersgerechter Maßnahmen (bodenebene Dusche, breitere Türen, Rampen, Aufzug): KfW 159 fördert bis zu 50.000 € pro Wohneinheit mit günstigen Zinsen. Ideal für Mehrgenerationen-Häuser die für ältere Eltern vorbereitet werden. Antrag vor Maßnahmenbeginn stellen.
Was passiert wenn Eltern während der Kreditlaufzeit sterben?
Kaum jemand spricht darüber — aber es ist eine reale Möglichkeit: Eltern helfen beim Kauf, sterben aber bevor der Kredit abbezahlt ist. Je nach Variante der Unterstützung entstehen sehr unterschiedliche Folgen.
⚠️ Folgen je nach Unterstützungsvariante
| Variante | Was passiert beim Tod der Eltern? | Risiko |
|---|---|---|
| Schenkung | Nichts — Geld ist weg, keine Auswirkung. Rückforderungsklauseln erlöschen. | Kein Risiko |
| Familiendarlehen | Darlehen geht in Erbmasse über. Erben (Geschwister!) können Rückzahlung fordern. Neuer Gläubiger: die Erbengemeinschaft. | Mittleres Risiko |
| Bürgschaft | Bürgschaft geht auf Erben über! Geschwister erben die Bürgschaftspflicht — haften weiter für den gesamten Kredit. | Hohes Risiko! |
| Nachrang. Grundschuld | Grundschuld bleibt am Elternhaus. Erben des Elternhauses tragen die Grundschuld mit — bis zur vereinbarten Ablösung. | Beherrschbares Risiko |
| Miteigentum | Elternanteil geht in Erbmasse über. Erben werden Miteigentümer — ggf. unerwünschte Personen im Grundbuch. | Hohes Risiko! |
🛡️ So schützt man sich: Das Absicherungspaket
📜 Familiendarlehen: Erlass im Testament
Eltern können im Testament festlegen, dass das Familiendarlehen bei ihrem Tod erlassen wird — also nicht in die Erbmasse fällt. Das Darlehen wird automatisch zur Schenkung. Kosten: Nichts extra, nur eine Klausel im bestehenden Testament. Absolut empfohlen.
⏰ Bürgschaft: Zeitliche Begrenzung
Bürgschaft sollte immer zeitlich oder betraglich begrenzt sein. Beispiel: „Bürgschaft endet wenn BLA unter 80 % sinkt" oder „Bürgschaft gilt maximal 10 Jahre". Das verhindert, dass Erben unbegrenzt haften. Ohne Begrenzung: Erben können die Erbschaft ausschlagen um die Bürgschaft zu vermeiden.
🔑 Vorkaufsrecht im Erbfall
Bei Miteigentum: Im Schenkungsvertrag oder Testament ein Vorkaufsrecht für das Kind verankern. Stirbt ein Elternteil und der Anteil geht in die Erbmasse, kann das Kind den Anteil zu einem festgelegten Preis kaufen — bevor Geschwister oder Dritte Ansprüche stellen.
🛡️ Risikolebensversicherung der Eltern
Die günstigste Absicherung: Eltern schließen eine Risikolebensversicherung ab, Kind ist Begünstigter. Bei Tod der Eltern während der Kreditlaufzeit erhält das Kind die Versicherungssumme — kann damit das Familiendarlehen ablösen, die Bürgschaft beenden und Erbschaftsteuer zahlen. Kosten: ab 20–40 €/Monat je nach Alter und Summe.
⚠️ Der kritischste Fall: Bürgschaft + Tod + Geschwister
Eltern bürgen für 350.000 € Kredit. Eltern sterben. Zwei Kinder erben zu je 50 % — also je 175.000 € Bürgschaftsschuld. Geschwister 2 kann Erbschaft ausschlagen um der Bürgschaft zu entgehen — dann erbt Kind 1 (der Kreditnehmer) alles, inkl. 100 % der Bürgschaft. Lösung: Bürgschaft auf den Tod der Eltern begrenzen. Im Vertrag mit der Bank festlegen: „Bürgschaft erlischt mit Tod des Bürgen." Nicht alle Banken akzeptieren das — prüfen lassen!
Hauskauf mit Eltern: Alles erledigt?
🎁 Schenkung vorbereiten
💰 Finanzierung & Absicherung
Häufige Fragen: Haus finanzieren mit Eltern
Diese Rechner helfen euch beim nächsten Schritt
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Ricardo Tunnissen
Geschäftsführer der Baufi Deutschland GmbH. Spezialist für Baufinanzierungen mit Familienbeteiligung — von der einfachen Schenkung über Familiendarlehen bis zur komplexen Mehrgenerationen-Finanzierung. Hunderte erfolgreich begleitete Fälle, in denen Elternunterstützung optimal strukturiert wurde.
* Alle Berechnungen sind Richtwerte ohne Gewähr. Stand: . Steuerliche und rechtliche Angaben ersetzen keine professionelle Beratung.